Erfahrungsbericht: Drei Monate ohne Plastik – geht das?

Drei Monate ohne Plastik leben, das war der Plan. Ob er mir gelingen würde, daran hatte ich zu Beginn einige Zweifel. Ausschließlich Produkte kaufen, die nicht aus Plastik bestehen, das dürfte funktionieren. Doch was war mit all den Nahrungsmitteln in Plastikverpackung? Könnte ich mich überhaupt wie gewohnt ernähren, wenn ich auf die klassischen Supermarktprodukte verzichten müsste?

Zweifel gab es viele, doch um meine Motivation nicht schon zu Beginn sinken zu lassen, postete ich mein Vorhaben auf meinen Social-Media-Kanälen in Facebook und Instagram. Das sollte erst einmal Anreiz und sozialer Druck genug sein, denn sicherlich würden mich Freunde und Freundinnen nach einer Weile fragen, ob ich immer noch plastiklos lebe. Und diese Frage wollte ich keinesfalls mit „nein“ beantworten.

Es geht los: Plastikfrei einkaufen

Am ersten Tag meiner plastiklosen Zeit nahm ich mir einen sehr ausführlichen Besuch meines Stamm-Supermarktes vor. Frisches Obst und Gemüse waren kein Problem. Hier gab es eine reichhaltige Auswahl an unverpackten Produkten. Beim Joghurt lief auch alles einigermaßen reibungslos: Ich kaufte Joghurt im Glas statt im Plastikbecher. Ähnlich bei den Getränken: Wasser und Saft gab es ab nun nur noch in der Glasflasche. Auf dem Heimweg zeigten sich dann schon die ersten Nachteile des plastikfreien Einkaufs: Glas wiegt deutlich mehr als Plastik. Es zog schwer am Rücken und an den Armen, und die Glasflaschen klapperten bedrohlich laut in der Einkaufstasche. Doch alles kam unbeschadet in meiner Wohnung an.

Die ersten Hürden. Oder: Viele Wege führen nach Rom

Schon vor dem nächsten Einkauf war klar: Allein im Supermarkt könnte ich meinen Nahrungsbedarf nicht decken, wenn ich weiter plastikfrei leben wollte. Also auf zum weiter entfernt gelegenen Bioladen. Wie der Name schon sagt, hier waren die Inhalte „bio“, aber leider nicht ganz so oft ihre Verpackungen. Nudeln, Gewürze oder Toilettenpapier – vieles war verpackt in etwas, was mir doch sehr nach Plastik aussah. Um den Weg nicht ganz umsonst gemacht zu haben, kaufte ich unverpackte Seife zum Duschen und für die Haarwäsche. Meine Premiere. Während sich die gekaufte Haarwaschseife für meine Bedürfnisse als nur mittelprächtig erwies, sollte die Duschseife zum stetigen Badinventar werden.

Die letzte Hürde überwunden: Unverpackt

In den folgenden Tagen neigten sich meine Grundnahrungsmittel wie Reis und Nudeln ihrem Ende zu. Nachschub im Supermarkt war ohne Verpackung, das war klar, nicht zu finden. Es blieben also die Unverpackt-Läden, von denen ich den Monaten zuvor schon einiges gehört, die ich aber noch nie betreten hatte. Mit Aufbewahrungsbehältern ausgerüstet, suchte ich den nächstgelegenen Laden auf. Und tatsächlich: eine reichliche Auswahl an verschiedenen Nudeln- und Reissorten erwarteten mich hier. Einfach in den eigenen Behälter gefüllt, wurden sie an der Kasse nach Gewicht berechnet. Auch Müsli, Gewürze und Reinigungsmittel wechselten auf diese Weise den Besitzer. Und endlich, hier fand ich auch Toilettenpapier und Taschentücher ohne Plastikverpackung.

Und danach? Mit oder ohne Plastik?

Drei Monate später war mein Projekt beendet. Ich schaffte es – bis auf einen „Aussetzer“ – plastikfrei zu leben. Diese Ausnahme, nach etwa fünf Wochen, war eine Pizza aus dem Supermarkt, die (natürlich) in Plastik verpackt war. Zuerst hatte ich wegen dieses Aussetzers ein schlechtes Gewissen, doch als ich das Plastik in meinen noch gänzlich leeren Gelben Sack warf, wurde mir klar, auf wieviel Plastik ich in den vergangenen Wochen bereits verzichtet hatte. Eine Motivation, die in den folgenden Wochen anhielt.

Nach diesen drei Monaten hat mein Plastikkonsum wieder etwas zugenommen,vor allem weil sich der kurze Weg zum Supermarkt leichter in den Alltag integrieren lässt. Doch mein Plastikverbrauch ist weiterhin deutlich geringer als vor meinem Plastikfrei-Projekt. Und einen weiteren, ganz unerwarteten positiven Effekt hatte mein Projekt ebenfalls: Angespornt durch mein anfängliches Postings in Facebook und Instagram, haben sich auch einige meiner Freunde und Freundinnen entschlossen, ihren Plastikkonsum zu reduzieren.